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Wissenschaftler haben jetzt neue Ergebnisse zur durchschnittlichen Körpertemperatur des Menschen ermittelt. Sie ist gesunken. Aufgrund unserer inzwischen gesünderen Lebensweise.

Wissenschaftler der Stanford University (USA) )[1. Veröffentlichung der Studie in dem Wissenschaftsmagazin eLife Science (https://elifesciences.org/articles/49555), doi: 10.7554/eLife.49555)] haben erst vor kurzem durch eine Auswertung dreier epidemiologischer[2. Als Epidemiologie bezeichnet man die Wissenschaft von der Entstehung, Verbreitung und Bekämpfung von Epidemien, wie sie heute zum Beispiel durch die Masernkrankheit auftritt.] Studien herausgefunden, dass die alte Faustregel von 37 Grad Celsius als „normale“ Körpertemperatur inzwischen überholt ist. Der Arbeitskreis der Medizinerin ermittelte ein Absinken der Körpertemperatur von ca. 0,03 Grad Celsius im Mittel pro Geburtenjahrzehnt. Damit stellen sie eine neue durchschnittliche Körpertemperatur von ca. 36,4 Grad fest.

Rückgang der Körpertemperatur pro Geburtenjahrzent, aber auch mit zunehmenden Alter erkennbar. © Protsiv et al./ eLife 2020, 9:e49555, CC-by-sa 4.0Quelle: © Protsiv et al./ eLife 2020, 9:e49555 | CC BY-SA 4.0 International
Rückgang der Körpertemperatur pro Geburtenjahrzent, aber auch mit zunehmenden Alter erkennbar. © Protsiv et al./ eLife 2020, 9:e49555, CC-by-sa 4.0
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Ursache 1: Gesünderes Leben

Einen Messfehler bei der Ermittlung der alten 37 Grad Celsius halten die Forscher für ausgeschlossen, stattdessen sehen sie einen Grund für diesen systematischen Temperaturrückgang in der immer gesünderen Lebensweise der Menschen: Sie ernähren sich gesünder, ausgewogener und so gehen die früher ständig versteckten Entzündungen immer mehr zurück. Nicht zuletzt auch wegen der immer besser gewordenen medizinischen Versorgung in den letzten 60 – 70 Jahren.

Ursache 2: Weniger Stoffwechselaktivität

Der Rückgang der Körpertemperatur deutet ebenfalls, so das Wissenschaftlerteam, auf einen Rückgang der Stoffwechselaktivität des Menschen hin. Zum einen nämlich wurde die Arbeit des Menschen körperlich immer weniger anstrengend, weswegen er auch immer weniger Energie benötigte. D.h. also auch, dass weniger verstoffwechselt werden muss. Also je weniger Energiebedarf, desto weniger Stoffwechsel, desto niedriger die Körpertemperatur.

Zum anderen wurde unsere heutige Nahrung zudem wesentlich gesünder und dadurch nährstoffhaltiger: Daher kommt der Körper nun mit weniger Nahrung genauso gut aus, wie früher mit mehr Nahrung, die verstoffwechselt werden musste.

Temperaturunterschied Mann und Frau

Ebenfalls ist ein Temperaturunterschied, so die Wissenschaftler der Stanford University[3. Quelle: Studie im Wissenschaftsmagazin eLife Science (https://elifesciences.org/articles/49555), doi: 10.7554/eLife.49555)], zwischen Frauen und Männern zu verzeichnen, der allerdings eher minimal ist.

Das hat vor allem seine Ursache in den anatomischen Gegebenheiten: Der Mann hat mehr Muskelmasse als Frauen. Muskeln benötigen mehr Energie als Fett- oder Bindegewebe.

Der höhere Muskelanteil der Männer hatte einen evolutionären Vorteil für die Menschen in der Steinzeit: Während Männer eher kräftig und stark sein mussten um jagen zu können, war eine Fettgewebsschicht, zur Isolation und zum Schutz der Föten und Embryonen, um den Bauch der Mütter nützlicher.

Was nun also mit diesen neuen Erkenntnissen anfangen?

Wenn es also fortan um die Beurteilung geht, ob wir Fieber haben oder eben nicht, sollten wir nun deutlich differenzierter vorgehen: So ist jetzt nicht mehr nur notwendig, diese unsere neue Körpertemperatur als Fiebermarker zu verwenden, sondern auch zu berücksichtigen, dass Frauen eine etwas geringere Temperatur, als Männer, also auch schneller Fieber haben.


Fußnoten, Anmerkungen und Quellennachweise:

Bildquelle(n):

  • Rückgang der Körpertemperatur pro Geburtenjahrzent, aber auch mit zunehmenden Alter erkennbar. © Protsiv et al./ eLife 2020, 9:e49555, CC-by-sa 4.0: © Protsiv et al./ eLife 2020, 9:e49555 | CC BY-SA 4.0 International