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Forscher habe inzwischen erste Anzeichen dafür nachweisen können, dass COVID-19 nicht nur die Lunge der Infizierten angreift, sondern u.a. auch das Nervensystem und viele weitere Organe angreifen kann – neue Erkenntnisse, die Corona zu einer größeren Gefahr machen können.

Bereits am 15. April haben in einem neu veröffentlichten Paper1 Ärzte aus verschiedenen Disziplinen des chinesischen Huoshenshan Hospitals, herausgefunden, dass bei Patienten, die sich mit Corona-Viren infiziert haben diese Viren auch in anderen Organen und Körperteilen als in ihrer Lunge nachgewiesen werden können.

Das Team um den Neurologen Rong Yin, in dem auch ein Nephrologe und ein Pneumologe mitforscht, konnte bei einigen COVID-19-Patienten sowohl neurologische Probleme, Angriffe auf den Muskelapparat, als auch Bewusstseinsveränderungen, neben den typischen Symptomen, wie Fieber, Husten (meist trockener), Atembeschwerden und Müdigkeit feststellen.

Neurologische und muskuläre Probleme diverser COVID-19-Patienten

So berichtet das Forscherteam etwa von einem 64 Jahre alten Patienten, aus Wuhan, der keine der Vorerkrankungen, des Herz-Kreislauf-Systems aufwies. Nach kurzer Zeit mit Fieber und Erkältungssymptomen, beklagte er sich über eher untypische Symptome, wie Schlaflosigkeit und einen starken Muskelkater am ganzen Körper. Nach einem weiteren Verlauf der Infektion (ca. 14 Tage nach dem Auftreten erster Fiebersymptome), verlor er nach und nach sein Bewusstsein: Das Forscherteam berichtet davon, dass man den 64-jährigen schließlich in einem lethargischen Zustand auffand, in dem er weder ansprechbar war, noch Reaktionen irgendeiner Art zeigte2.

Ein Bluttest des Patienten wies darauf hin eine erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen, Neutrophile und Akute-Phase-Proteine nach, was typisch für Immunreaktionen ist, bei denen auch körpereigenes Gewebe angegriffen oder verletzt wird.

Ein Gehirn-Computertomogramm (CT) war unauffälig, im Gegensatz zum CT des Brustraums des Mannes. Hier konnte man gleich mehrere Schatten auf der Lunge des Mannes sehen. Die Lunge des Mannes war also durch eine Infektion angegriffen. Endgültig bestätigt wurde der COVID-19-Verdacht, durch einen Abstrich-Test auf 2019-nCoViren, der schließlich positiv ausfiel.

Auch der neurologische Zustand des Patienten stellte sich als eher schlecht dar: Sein Zustand wechselte stets zwischen Lethargie und Reizüberempfindlichkeit.  Der Patient war nicht mehr ansprechbar. Hier könnte ein Zusammenhang zu der Infektion durch die Coronaviren bestehen.

Aber nicht nur dieses Wissenschaftlerteam berichtet von solchen neurologischen Problemen: In einer Studie des Tongji Medical College der Huazhong University untersuchte der Neurologe Ling Mao 214 Corona-Patienten und stellte tatsächlich auch bei einigen von diesen neurologische Beeinträchtigungen fest, die stets stärker wurden, sobald auch die Infektion der Patienten schwerer wurde3. Ingesamt kam es gemäß der Studie4 bei ca. 17 % der Patienten zu Schwindelanfällen, sowie bei ungefähr 13 % der Probanden zu Kopfschmerzen. Bei ca. 5,5 % sind Geschmacksstörungen zu verzeichnen und bei etwa 2,6 % kam es sogar zu einem Schlaganfall.

Die Ursachen für solche Erscheinungen sind derzeit noch ungeklärt. Lediglich einen Zusammenhang mit der Corona-Virus-Infektion konnten die Forscher sehen.

Der Infektiologe Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg sagte dem Focus gegenüber, es gebe derzeit noch zu wenige Untersuchungen der Auswirkungen der COVID-19-Infektion auf das Nervensystem der Patienten, sodass man keine echten Aussagen über diesen Zusammenhang treffen könne.

Schädigung weiterer Organe durch Coronaviren

Wie die Washington Post bereits am 16. April berichtete5, treten auch besonders häufig Beeinträchtigungen der Nierenfunktion der Patienten auf: Nahezu die Hälfte der Patienten wies Hinweise auf Nierenschäden auf, sowie sogar 14 bis 30 % der Intensivpatienten in Wuhan und New York totales Nierenversagen erleiden. Hier werden Dialyse-Maßnahmen notwendig, um die Patienten weiterhin am Leben zu halten.

Die Nierenfunktion ist bei Infektionen für die Patienten sehr wichtig, da die Nieren den Körper bzw. dessen Blut entgiften und so den Proteinmüll, der durch die Immunreaktion abgetöteten Viren angefallen ist, entsorgen.

Dennoch: Auch über diese Symptome weiß man derzeit noch zu wenig, um über ihr Auftreten wissenschaftlich fundierte Aussagen treffen zu können.

Es gibt viele andere Möglichkeiten, warum auch die Nieren der Patienten unter COVID-19 leiden. Dafür müssen aber nicht unbedingt Coronaviren verantwortlich sein – auch eine Belastung der Nieren durch die Medikamente, die die Patienten etwa gegen die Atemnot, gegen das hohe Fieber oder zur Intensivbehandlung, sowie auch der Krankenhausstress, unter dem die Patienten meist leiden, kann auf die Nieren gehen.

Dennoch bestünde der Verdacht, dass zumindest die konkret akuten Nierenprobleme auf einen viralen Einfluss zurückzuführen seien, meinte der Nephrologe Paul M. Palevsky, Präsident der National Kidney Foundation, gegenüber der Washington Post6.

Aber auch das Herz kann unter einer SARS-CoV-2-Infektion leiden: Offenbar entwickelten nach Aussagen des Neurologen Mitchell Elkind von der American Heart Association gegenüber der Washington Post auch einige COVID-19-Patienten Herzprobleme, obwohl sie eigentlich keine Atembeschwerden mehr zeigten, die für die Herzerkrankungen verantwortlich gemacht werden könnten. Dabei treten nicht nur Herzrhythmusstörungen, sondern auch andere Herzverletzungen, wie etwa eine Herzmuskelschädigungen, auf.

Fazit 1: Langzeitfolgen?!?

Wenn man die Veröffentlichungen und Studien über die neurologischen, muskulären Folgen und die Nierenprobleme liest, drängt sich einem die Frage nach Langzeitfolgen förmlich auf. Gerade die neurologischen Schäden, besonders die im Zentralen Nervensystem, sind oft auch bei anderen Krankheiten gerade die Schäden, die den Patienten noch nach der Gesundung eine längere Zeit erhalten bleiben. Kann dies bei einer Infektion mit 2019-nCoV-Viren auch der Fall sein?

Diese Frage ist durchaus entscheidend, da der teilweise eher fahrlässige Umgang mit dieser Erkrankung – besonders in jüngeren Generationen – so nicht nur für Risikogruppen gefährlich sein kann. Langzeitschäden, könnten zum Teil auch erst wesentlich später im Leben ehemals Infizierter auftreten und ihnen dann gesundheitlich zum Verhängnis werden…

Zwar sind mögliche Langzeitfolgen auch durch eine nicht vermeidbare Beanspruchung der Lunge durch mechanische Beatmung möglich, doch das Ergebnis für die Patienten wäre unter dem Strich das gleiche.

Sollten sich solche Langzeitfolgen bestätigen, wäre ein wesentlich restriktiverer und vorsichtiger Umgang mit dieser Pandemie dringend erforderlich, trotz rückgehender Infektionsraten, damit diese Raten nicht wieder durch die Decke schießen!

Fazit 2: Zu wenig Behandlungsvorbereitungen und Maßnahmen getroffen?

Eine Frage, die nach dem Bericht über die Schädigung anderer Körperregionen durch Coronaviren, sich ebenfalls aufdrängt, ist die, ob man nun nicht die falschen Vorbereitungen getroffen hat, um bei einem neuen Hochschnellen der Infektionsrate schnell genug reagieren zu können und die Kapazität unseres Gesundheitssystems auszuweiten. Genügt es nun, wenn man v.a. den Bestand der Atemgeräte aufstockt? Oder sollte man nicht auch nephrologisches intensivmedizinisches Gerät aufstocken?

Fakt ist, dass wir derzeit noch zu wenig über die Gefahren des Corona-Virus für andere Organe als die Lunge wissen.

Umso mehr stellt sich die Frage, warum Deutschland, nun doch so früh seinen Lockdown wieder öffnet (früh: vlg. Paper der Helmholtz-Gemeinschaft, das bei der Entscheidungsfindung der Bundesregierung gerade als aktuelle Stellungnahme vorlag7 )… Besonders bei den Schulen ist die Gefahr, dass sich erneut Infektionsherde ausbreiten aufgrund des hohen Kontakts zwischen allen Schülern enorm hoch. Können wir mit einer Infektion, die neben teilweise kurzzeitiger Atemprobleme, auch langfristig der Gesundheit der Infizierten schaden kann, wirklich so leichtfertig umgehen, wie wir das derzeit tun? Denn sollten sich Langzeitfolgen als wahrscheinlicher herausstellen, wäre die Krankheit nicht mehr nur für die Risikogruppe eine Gefahr!

HINWEIS:- zu diesem Artikel in eigener Sache!

Der Autor dieses Artikels ist kein Virologe oder gar Epidemiologe. Der Artikel zur Coronakrise stützt sich auf sorgfältige Recherchen, deren Quellen unter diesem Artikeln angegeben sind. Einzig das Fazit (hier zweiteilig), beinhaltet eine subjektive Einschätzung des Autors, die allerdings auch auf Basis der vorgehenden Recherchen getroffen wurde. Sollten begründete Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen unserer Artikel auftreten, bitten wir darum, uns sofort zu benachrichtigen. Quellen, die zeigen, dass betreffender Artikel falsche Informationen beinhaltet, bitten wir ebenfalls mitzusenden, damit wir sofort unsere(n) Artikel überprüfen können. Artikel mit einem Veröffentlichungsdatum, das mehr als eine Woche zurückliegt, allerdings haben keinen Anspruch auf Aktualität, falls nicht anders vermerkt.
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Quellen:

  1. doi: 10.1002/jmv.25888 –> www.doi.org/10.1002/jmv.25888 []
  2. ibid. []
  3. https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2764549?guestAccessKey=4acaca6e-7090-4008-acf2-54ded1321cfe&utm_source=For_The_Media&utm_medium=referral&utm_campaign=ftm_links&utm_content=tfl&utm_term=041020, letzter Aufruf: 17.04.2020 []
  4. ibidem []
  5. Artikel der Washington Post: https://pressreader.com/article/281496458415583, Washington-Post-Artikel aus der Washington Post vom 16. April, letzter Aufruf: 17.04.2020 []
  6. ebd. []
  7. Paper der Helmholtz Gemeinschaft: https://www.helmholtz.de/fileadmin/user_upload/01_forschung/Helmholtz-COVID-19-Papier_02.pdf, letzter Aufruf: 17.04.2020 (Quellenkontrolle) []

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