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Die Literatur der DDR kennt mehrere Phasen. Je nach Phase sind die Freiheiten oder Einschränkungen der Autoren unterschiedlich und damit unterscheiden sich auch die literarischen Formen entscheidend.

Die Zensur und Medien in der DDR:

Eine wichtige Rolle spielte die Zensur in der Literaturszene der DDR. Während die Verfassung der DDR 1949 eine Existenz von Zensur noch programmatisch ausschließt, wird 1968 bei einer Verfassungsreform dieser Artikel einfach gestrichen. Dennoch sah bereits 1949 die Verfassungswirklichkeit bekannterweise ganz anders aus. Zensur existierte seit Beginn der SBZSBZ: Sowjetische Besatzungszone und endete auch erst mit dem Fall der Mauer.

= ARTIKEL 9 =

(1) Alle Bürger haben das Recht, innerhalb der Schranken der für alle geltenden Gesetze ihre Meinung frei und öffentlich zu äußern und sich zu diesem Zweck friedlich und unbewaffnet zu versammeln. Diese Freiheit wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt; niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.
(2) Eine Pressezensur findet nicht statt.

– Artikel 9 aus der Verfassung der DDR von 1949

Zuständig für die Zensur und die Lenkung der Massenmedien war die „Abteilung Agitation“ der SEDSED: Sozialistische Einheitspartei Deutschland, der ein eigener Zentralkomitee-Sekretär abgestellt wurde. Sprachrohre der SED waren hierbei v.a. Zeitungen, wie das „Neue Deutschland“Die Zeitung “Neues Deutschland” gibt es noch bis heute. und die „Aktuelle Kamera“.

Literarische Werke wurden von der „Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel“, die dem Ministerium für Kultur unterstand, zensiert und mussten stets vor ihrem Erscheinen von dieser genehmigt werden. Andernfalls wurde ihnen einfach kein Papier zugeteilt und sie konnten nicht gedruckt werden.

Ein darüber hinaus übliches Mittel, systemkritische Literatur zu vermeiden, war es, den Autoren einfach genaue Vorgaben zu machen, wie ihre Werke auszusehen hatten. Befolgten Sie diese Vorgaben nicht, drohten ihnen Sanktionen, manchmal sogar Haftstrafen. Eben aufgrund dieser Situation zensierten sich häufig bereits die Autoren selbst. Man spricht hier von einer „Schere im Kopf“.

Phasen der DDR-Literatur:

Phase I: Aufbauliteratur (1950 – 1961)

Ausgangssituation und Hintergrund der DDR-Literatur war das Ende des 2. Weltkriegs und natürlich auch des nationalsozialistischen Faschismus. Viele v.a. jüngere Autoren wandten sich nun vermehrt dem Sozialismus als Gegenentwurf zum Nationalsozialismus zu. Oberstes Ziel der DDR war es stets, den Nazi-Faschismus auszulöschen.

Ziel und Zweck der Literatur:

  • Unterstützung des Aufbaus der DDR und des Sozialismus
  • Erziehung der Leser zum Sozialismus
  • sozialistische Propaganda

→ keine freie Literatur möglich, Handlungsverlauf und Thema der Werke den Autoren meist bereits grob vorgegeben => Auftragsliteratur

Phase II: Sozialistischer Realismus und Bitterfelder Weg

Der Sozialistische Realismus ist in den 1930er Jahren eigentlich entstanden, wird programmatisch aber von der DDR-Spitze weitergeführt. Im Mittelpunkt der Werke des sozialistischen Realismus steht stets ein positiver Held, der als Vorbild für eine idealisierte sozialistische Gesellschaft und damit als Vorbild für die DDR-Gesellschaft diente.

Der Bitterfelder Weg hingegen war eine ganz neue Erfindung der DDR, die aber auch nur wenige Jahre später v.a. in den bildenden Künsten in der BRD auftritt (vgl. J. Beuys). Geprägt war der Bitterfelder Weg vom Vorhaben, die Trennung zwischen Künstler und Arbeiter zu überwinden; die Arbeiter, seien die wahren Künstler aufgrund ihrer großen Nähe zum „wahren Leben“. Der Bitterfelder Weg wollte von diversen Arbeitern große, künstlerisch wertvolle und zeitlose Werke des Sozialismus schaffen lassen, scheiterte mit diesem Vorhaben aber zum einen an der fehlenden Bildung der Arbeiter, zum anderen aber auch am fehlenden literarischen Talent der Arbeiter .

Phase III: Ankunftsliteratur (1961 – 1971)

In den 1950er Jahren beginnen die Bürger der DDR vermehrt in die BRD auszuwandern. Genau aus diesem Grund auch, errichtet das Politbüro der DDR 1961 auch den „Antifaschistischen Schutzwall“, die Berliner Mauer.  Daher sollte die Ankunftsliteratur auch Helden darstellen, die selbst im Zweifel mit dem Sozialismus der DDR standen, diese aber im Endteil der Werke überwanden und überzeugte Verfechter des Sozialismus wurden.

Aufbau eines typischen Romans der Ankunftsliteratur:

  1. Held führt sozialistisches Leben
  2. Held zweifelt am System → hier kann der Autor sogar eigene Kritik äußern
  3. Held findet wieder zum Sozialismus zurück

Literatur der DDR – Schreiben im Sozialismus

  • Probleme bei der Erziehung zum sozialistischen Individuum
  • Entwicklung des Sozialismus als Prozess
  • Entwicklung einer sozialistischen Produktionsweise
  • Entwicklung eines sozialistischen BewusstseinsKonflikte zwischen Individuum und Gesellschaft in der DDR

Literarische Form(en):

  • v. a. Epik → hier v. a. Bildungs- und Entwicklungsromane
  • Lyrik
  • Lyrik → hier oft auch Lieder, wenig Literatur „ohne Nutzen“

Wichtige Autoren und Werke:

  • Epik:
    • Brigitte Reimann: „Ankunft im Alltag“ (1961)
    • Christa Wolf:
    • Christa Wolf: „Der geteilte Himmel“ (1963) → verhilft Christa Wolf zu großer Bekanntheit
    • Christa Wolf: „Nachdenken über Christa T.“ (1969)
  • Lyrik:
    • Wolf Biermann
    • Volker Braun
    • Sarah Kirsch
    • Günter Kunert
    • Reiner Kunze

Phase IV: Kritik wird laut (1971 – 1990)

Mit dem Ende der DDR-Regierung unter W. Ulbricht und dem Beginn der „Ära Honecker“ beginnt sich auch die Literatur der DDR zu wandeln: Im Mittelpunkt steht nun nur noch das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft in der DDR – beispielsweise in Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“. Manche empfanden dieses Verhältnis als durch den Sozialismus gestört.

Lyrisch setzte sich nun auch Wolf Biermann kritisch mit der DDR auseinander, was nach einigen Konflikten mit der DDR-Zensur zu seiner Ausbürgerung führte, nach einem eigentlich von der DDR-Regierung genehmigten Konzert in Köln (BRD). Gegen diese Aussiedlung protestierten einige Autoren und forderten die SED auf, Biermann wieder in die DDR einreisen zu lassen. Nachdem der Protest erfolglos war, siedelten viele in die BRD über (darunter: Sarah Krisch und Günter Kunert). Andere wurden vom Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen oder traten selbst aus.

Die Erfahrungen mit dem Sozialismus verarbeiteten einige Autoren dann nach dem Mauerfall in den 1990er-Jahren, wie bspw. Reiner Kunze in „Deckname Lyrik“ (1990) oder Erich Loest in „Der Zorn des Schafes“ (1990).

Zum Beitragsbild: Photo by Marcus Lenk on Unsplash